Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Melchingen im Jahr 772 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch - dem Codex Laureshamensis. Dreihundert Jahre später taucht es in der Zwiefalter Chronik auf, auch wieder als Schenkung. Urkunde

Von 1254 treten die Herren von Melchingen in zahlreichen Urkunden in den Diensten der Grafen von Württemberg auf. So geben 1344 die Württemberger einem Burchard von Melchingen ihren Anteil an Burg, Dorf, Vogtei und Gericht zu Lehen.

Zwischen 1439 und 1451 erwarben die Grafen von Werdenberg zu Trochtelfingen Besitzanteile von den Herren von Melchingen, 1450 von den Württembergern und um 1500 den größten Teil der Hoheitsrechte über die Gemeinde. Zu dieser Herrschaft gehören während des Mittelalters mehrere Orte in der Region. Förderlich war dieser Herrschaftswechsel für die Entwicklung des Dorfes sicher nicht so ohne weiteres, denn die Werdenberger können keinen Konkurrenten für ihren nahegelegenen Herrschafts- mittelpunkt brauchen, eine Konkurrenz, die sicher gegeben war. Gegen Ausgang des 13. Jahrhundert dürfte auch in Melchingen der Versuch unternommen worden sein, den Ort zu einer Stadt mit Markt und Verwaltungsmittelpunkt auszubauen, was vermutlich auf die Grafen von Württemberg zurückVerkaufsurkunde des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg von 1719geht. Melchingen hatte Stadtrecht, das ist im Fleckenbuch ausdrücklich erwähnt. Noch heute ist die Bezeichnung „Vorstadt“ für die Häuser, die von der Kirche dorfauswärts Richtung Stetten liegen, erhalten geblieben. Andere Dinge weisen ebenfalls auf eine herausgehobene Stellung hin: das Marktrecht, eine Gerichtsstätte mit Galgen und die besondere Anlage des Dorfes mit dem Siedlungskern bei der Kirche, dem typischen Haufendorf, und einer bewusst geplanten Erweiterung. Geglückt ist die Entwicklung zur Stadt jedoch nicht, dazu waren zu viele Interessen wirksam, vermutlich fehlte auch das wirtschaftliche Potential zum Ausbau. Die Werdenberger schließlich hatten kein Interesse an der Weiterentwicklung.

Wegen der Zugehörigkeit zu den Werdenbergern wurde der Ort von der größten Katastrophe seiner Geschichte getroffen: Hans von Rechberg, einer der gefürchtetsten Kriegsherren des 15. Jahrhunderts, der in einer Fehde mit den Werdenbergern lag, drang während eines Raubzuges mit 300 Reitern und einigem Fußvolk in das Dorf ein, plünderte, vertrieb das Vieh und setzte – absichtlich oder durch Zufall – einige Häuser in Brand. Das Feuer breitete sich rasch aus, und die Dorfbewohner hatten nicht nur ihr Hab und Gut und ihr Vieh, sondern auch ihre Wohnstatt verloren.

Siebzig Jahre später starb der letzte Graf von Werdenberg. Melchingen fiel mit der Herrschaft Trochtelfingen an das Haus Fürstenberg, das in Donaueschingen residierte.

Napoleon schließlich ließ zahlreiche kleinere Herrschaftsgebiete auflösen. So erhalten schließlich 1806  die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen die Landeshoheit über die ehemalige Herrschaft Trochtelfingen und somit Melchingen. Einige Hoheitsrechte blieben jedoch den Fürstenbergern, die noch lange bis in die neuere Zeit reichten.

GrenzsteinVon 1850 an gehen die „Hohenzollernschen Lande“ im Zuge der Revolution an das Königreich Preussen über und bilden nun den Regierungsbezirk Sigmaringen. Auch nach der Ablösung der Monarchie durch die Weimarer Republik 1918/19 blieb das Land Preussen erhalten, so dass sich in der Verwaltung für Melchingen nichts änderte.
1925 schließlich ändert sich einiges, es werden Landkreise eingerichtet und Melchingen wird dem Kreis Hechingen zugeteilt.

Nach dem zweiten Weltkrieg gehört der Ort zur französischen Besatzungszone. Zu Anfang kann Hohenzollern in dem 1947 geschaffenen Land Südwürttemberg- Hohenzollern seine Eigenständigkeit einigermaßen bewahren, doch 1952, mit der Schaffung des Landes Baden-Württemberg, wird die Integration in das ehemals württembergische und badische Gebiet der Umgebung eingeleitet. Stuttgart ist jetzt das Zentrum, nach dem man sich auszurichten hat.

1973 wird der Kreis Hechingen aufgelöst und somit die Integration endgültig vollzogen. Melchingen wird dem Kreis Balingen und als Teilort der Stadt Burladingen zugeordnet, zu der insgesamt mit der Kernstadt 12 Teilorte gehören. 

Grenzstein

Noch heute stehen einige der Grenzsteine, die das Herzogtum Württemberg und Hohenzollern-Preussen trennten. Bis in die 80er-Jahre des 20. Jhr. endeten viele Wege an dieser Grenze. Doch die Landreformen änderten dieses, heute findet die Landwirtschaft grenzüberschreitend statt - die Grenze wird von Kühen gerne abgegrast.

Grenzstein